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Archive für 20.3.2010

“Margos Spuren” von John Green

green.jpg

  • Flexibler Einband: 336 Seiten
  • Verlag: Hanser Belletristik (8. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446234772
  • Alter: 13-15 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14 x 3 cm

Inhalt:Schon als kleiner Junge war Quentin in die schöne, impulsive Margo verliebt - und schon damals war sie ihm ein Rätsel: Niemand konnte so mutig und entschlossen sein wie sie, niemand wirkte so unnahbar. Nachdem Quentin Margo bei einem nächtlichen Rachefeldzug geholfen hat, verschwindet diese urplötzlich und hinterlässt geheimnisvolle Spuren. Quentin ist verwirrt: Sind die Spuren für ihn? Soll er die Suche aufnehmen? Doch dann verfolgt er jeden Hinweis und befindet sich plötzlich inmitten eines aufregenden Abenteuers, irgendwo zwischen Roadmovie, Detektiv- und Liebesgeschichte.

Dieses Buch habe ich im bei der Frühjahrsmatinee von M+M vorgestellt..

Quentin und Margo haben ihre Kindheit zusammen in Orlando verbracht, als Nachbarn. Sie waren neun Jahre alt, als sie gemeinsam einen Toten im Park fanden. Sie sind 18, als Margo plötzlich verschwindet. Quentin macht sich auf die Suche nach ihr.

Das Ende der Kindheit war das Ende der Freundschaft zwischen Quentin und Margo. Von da an betrachtete Quentin, der einzige Sohn eines Psychologen Ehepaars sie nur noch aus der Ferne, bewundert sie, ist fasziniert von der attraktiven, unangepassten Margo, dem beliebtesten Mädchen an der High-School..Die High-School-Zeit ist fast zu Ende, Quentin hat kein Mädchen für den Abschlussball und deshalb beschlossen, nicht hinzugehen. Eines Nachts klopft es plötzlich an seine Fensterscheibe. Margo holt den überraschten Quentin zu einer nächtlichen Aktion ab. Genauer gesagt, zu neun nächtlichen Aktionen. Sie beginnen mit einem Einkauf im Supermarkt und bereits Margos Einkaufsliste ist erstaunlich:

„3 große Ganze schellfische, einzeln Verpackt
veet (das ist Zum beine rasieren nur Ohne rasierer: steht bei Den Mädchensachen in Der drogerieabteilung)
vaseline
1 Sechserpack mountain dew
1 dutzend tulpen…“ 

Mit dieser Ausrüstung – und noch ein paar zusätzlichen Dingen – beginnt Margos nächtlicher Rachefeldzug gegen ihren Freund, der sie betrogen hat, ihre Freundin, die ihr nichts davon gesagt hat und einer Reihe weiterer Menschen. Die Aktionen sind ebenso fantasievoll wie gewagt, und Quentin, der brave Mustersohn, gerät an seine Grenzen. Trotzdem macht er mit, fühlt sich Margo so nahe wie nie zuvor. So nahe, wie er sich das immer gewünscht hat. 

Wer denkt, das wäre der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, der irrt. Am nächsten Tag ist Margo weg. Spurlos verschwunden. Nein, Spuren gibt es. Aber die sind so rätselhaft, dass Quentin nichts damit anzufangen weiß. Margos Eltern sind erleichtert: Ihre Tochter hat sie lange genug genervt und mit exaltierten Ausreißversuchen auf Trab gehalten. Endlich ist Margot volljährig und in Ihren Augen für sich selbst verantwortlich, sie tauschen einfach die Schlösser aus. So einfach ist das für Quentin nicht. Er will Margo finden, denn die Spuren, die sie gelegt hat, deuten in eine schreckliche Richtung: Sie könnte sich das Leben  genommen haben.

John Green hat ein ungleiches Paar auf die Reise geschickt: die wilde Margo und den angepassten Quentin. Da stehen beide nachts auf dem SunTrust Building, dem höchsten Gebäude der Stadt. Quentin genießt die nächtliche Aussicht, den Blick aus großer Höhe auf Vertrautes und Liebgewonnenes: „Es ist schön.“ Und Margo entdeckt dort unten eine künstliche Plastikstadt mit „Plastikfiguren, die in den Plastikhäusern wohnen und ihre Zukunft verbrennen, damit ihnen warm bleibt.“

Gibt es eine Zukunft, für die es sich zu leben lohnt? Oder gibt es sie nicht? Der idealistische Ich-Erzähler ist davon überzeugt. Mit dieser Überzeugung macht er sich auf die Suche, unterstützt von seinen beiden besten Freuden mit denen es einige hinreißend komische Situationen gibt und mit einer rätselhaften Hinterlassenschaft von Margo: Walt Whitmans „Grashalme“. Whitmans Lyrik ist gekennnzeichnet durch die starke Expressivität und Bildlichkeit der Sprache,  musikalischen Rhythmus und  zahllose Wiederholungen und Variationen, die Grenze zwischen Prosa und Lyrik ist dabei fließend. Sein  Ansatz in dem Gedichtzyklus, der das Ganze und das Individuelle sieht und miteinander verbindet, wird für Quentin zum Schlüsselerlebnis.

Durch diese Verse und die Liedtexte aus Margos zurückgelassenener Plattensammlung setzt sich Quentin sehr stark mit sich und seinen Gefühlen und Wünschen auseinander und kommt sich selbst ein großes Stück näher. Ob er auch Margo näher kommt will ich hier nicht verraten. Auf alle Fälle hat mir gefallen, wie der Autor nach und nach das  Bild, das sich Quentin von Margo gemacht hat durch Ihre Spuren demontiert und zu einem völlig neuen Bild zusammengesetzt wird.

Die Gratwanderung zwischen Pathos und High-School-Klamotte ist gewagt – doch sie gelingt Zwischen wilden Partys und Lyrik wird Quentin zum Helden, der weiß, was er will und der zu ahnen beginnt, warum Margo nicht mehr da ist. „Fluchtwege ins Leben und Fluchtwege in den Tod. Beide Wege konnte ich mir gleich gut vorstellen.“ Am Ende macht er sich selbst auf eine Reise durch ganz Amerika: kompromisslos, mutig und zuversichtlich.

Mit witzigen, intelligenten und manchmal auch philosophischen Worten erzählt John Green die Geschichte . Der jugendliche Sprachstil und die realistische Darstellung der Charaktere machen es dem Leser leicht, sich mit den Figuren zu identifizieren und Empathie zu entwickeln.

Der dritte Roman des vielfach ausgezeichneten Autors aus den USA. ” Eine wie Alaska” ist auch sehr empfehlenswert !

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